Videos statt Wiesn – digitale Präventions- und Aufklärungsarbeit“

Der zweite Wiesn-Ausfall in Folge – viele Münchner*innen und Wiesn-Begeisterte aus der ganzen Welt vermissen dieser Tage den Duft gebrannter Mandeln, die Fahrt im Riesenrad oder das Feiern im Bierzelt. „Wir von der Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen*“ vermissen außerdem die Arbeit am Safe Space, wo wir zur Wiesn-Zeit Mädchen* und Frauen* in Not unterstützen“, so Bettina von Hoyningen-Huene. Ihre Kollegin Yvonne Fellner ergänzt: „Für uns war aber schnell klar, dass wir die Zeit nutzen möchten, um mit einer Kampagne die breite Zivilgesellschaft anzusprechen und für das Thema sexualisierte Gewalt sowie Sicherheit von Mädchen* und Frauen* zu sensibilisieren. Wir freuen uns deshalb sehr, dass unsere Video-Reihe dieses Thema in unterschiedlichen Facetten beleuchtet.“

Tipps für Sicheres Feiern

Im ersten Video der Aktion treffen sich die beiden erfahrenen Fachfrauen der Aktion, Adriana und Vroni, auf der Theresienwiese. Während sie in Erinnerungen an die Wiesn schwelgen, geben sie gleichzeitig Tipps für sicheres Feiern. Wichtig sei es beispielsweise, Wertsachen am Körper zu tragen. Außerdem könnten Besucher*innen einen genauen Treffpunkt vereinbaren, der helfe, wenn man sich im Gedränge verloren habe. Trotz aller Tipps, so sagt es eine der Mitarbeiterinnen im Film, sei aber immer klar: „Eine Frau* ist niemals schuld, wenn jemand übergriffig wird, unabhängig davon, was sie trägt oder wie sie sich verhält. Eine Welt ohne Übergriffe kann es erst geben, wenn niemand mehr übergriffig wird!“

Nachsorge nach einer Vergewaltigung

Im zweiten Video steht die Nachsorge nach einer Vergewaltigung im Fokus. „Wir wollten eine niedrigschwellige Informationsquelle für Frauen* schaffen, die sich nach dieser schlimmen Erfahrung über ein mögliches weiteres Vorgehen und Ansprechpartner*innen informieren wollen. Wichtig war es uns, dafür unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Deshalb haben wir uns sehr über die Bereitschaft der Polizei und der Frauenklinik Harlaching gefreut, am Video mitzuwirken“, so Lisa Löffler, Mitarbeiterin der Aktion. Sie hat für das Video u.a. den Chefarzt der Frauenklinik, München Klinik Harlaching, Prof. Dr. Christoph Scholz, interviewt. Im Fokus des Gesprächs steht, wie eine Untersuchung nach einer Vergewaltigung abläuft. Prof. Dr. Scholz erklärt auch, dass eine Betroffene zu einer solchen Untersuchung eine Begleitperson mitbringen könne, die in dieser Ausnahmesituation unterstützend zur Seite stehe. Mit Kriminalhauptkommissarin Esther Papp spricht Frau Löffler im Video über den Ermittlungsauftrag der Polizei und welche Fragen in einer Vernehmung auf eine Betroffene zukommen können. Eine weitere Interviewpartnerin ist Heike Barnes, Psychologin und Traumafachberaterin in der Beratungsstelle Frauennotruf München. „So individuell wie die Tat ist auch die Verfassung, in der Frauen* nach einem Übergriff zu uns kommen“, erzählt sie. Die Beratungsstellen des Frauennotrufs wie auch der Initiative für Münchner Mädchen* IMMA e.V. biete neben Terminen zur Krisenintervention auch Unterstützung bei der Vermittlung zu einer ambulanten Therapie sowie psychosoziale Prozessbegleitung an. Wichtig ist der Notrufmitarbeiterin, dass die Beratung ergebnisoffen sei, d.h. es wird mit jeder Frau* individuell überprüft, ob eine Anzeigeerstattung erfolge.

Zivilcourage

Immer wieder gebe es auf der Wiesn oder auch sonst im Nachtleben Situationen, in denen Passant*innen nicht wüssten, wie sie reagieren können, berichtet Bettina von Hoyningen-Huene. „Eine Frau*, die hilflos weinend auf der Straße sitzt oder ein Paar, das lautstark streitet und man den Eindruck hat, die Frau* könnte Hilfe gebrauchen – solche Situationen gibt es ja immer wieder. Wir wollten deshalb ein Video drehen, in dem wir Passant*innen ermutigen, die Frau* oder die Streitenden anzusprechen oder anderweitig Hilfe zu organisieren.“ Wichtig sei es dabei, immer zu überprüfen, ob man hierdurch selbst in Gefahr geraten könnte; ggf. könne man dann andere Menschen ansprechen und sich gemeinsam einschalten. Die Tipps seien natürlich nicht vollständig, so Yvonne Fellner, „schließlich ist jede Situation individuell und es gibt nicht immer eine eindeutige Antwort. Trotzdem möchten wir Menschen dazu ermutigen, nicht wegzuschauen, sondern Zivilcourage zu zeigen!“

Die Videos können über die Homepage (https://sicherewiesn.de) sowie über den YouTube-Kanal der Aktion  bzw. Instagram angeschaut werden.

Neuer Name für Anlaufstelle auf dem Oktoberfest

Mit der Erstellung der Filme machen die Organisatorinnen erstmals den neuen Namen des Hilfsangebotes vor Ort bekannt. Dieser wird von „Security Point“ in „Safe Space“ umbenannt. Die neue Bezeichnung ist internationaler und macht noch besser deutlich, dass die Beratung der Mädchen* und Frauen* in einem Schutzraum stattfindet.

Aber nicht nur das ist neu – die Aktion verändert ihr Design und startet ihren Relaunch dieses Jahr mit einem neuen LOGO. Ab nächsten Jahr erscheint dann alles im neuen Stil, nur der professionelle Inhalt – der bleibt erhalten.

Der besondere Dank der Aktion geht neben der Landeshauptstadt München und dem Landkreis München in diesem Jahr an die Deutsche Kinderschutzstiftung Hänsel+Gretel, die den Videodreh durch eine großzügige Spende ermöglicht hat.

Eine gemeinsame Aktion von AMYNA e.V., IMMA e.V. und der Beratungsstelle Frauennotruf München

Unterstützt wird die Aktion von der Landeshauptstadt München und dem  Landratsamt München